Was sind (bedeutsame) Vorkommnisse im Strahlenschutz?

 

Seit dem 1. Januar 2019 gilt das neue Strahlenschutzgesetz. Welche Auswirkungen das auf Ihre Arbeit in der Radiologie hat und was denn eigentlich medizinische Vorkommnisse sind? Wir erklären es Ihnen. 

 

Der Gesetzgeber weist ausdrücklich darauf hin, dass mit den bestehenden Pflichten und ihrer Umsetzung in der Praxis nicht das erstrebte Schutzniveau im medizinischen Strahlenschutz erreicht wurde. Für die Radiologie bedeutet dies, dass die einfache Beibehaltung von bereits in den Einrichtungen bestehender Dokumentation für das neue Strahlenschutzgesetz und dessen Festschreibung eines Informations- und Meldesystems zu medizinischen Vorkommnissen nicht ausreichen wird.

 

Was sind medizinische Vorkommnisse?

Definition: Ein medizinisches Vorkommnis ist ein Ereignis in einer geplanten Expositionssituation, das zu einer unbeabsichtigten Exposition geführt hat, geführt haben könnte oder führen könnte. Kein Vorkommnis liegt vor, wenn das Ereignis für den Strahlenschutz nicht relevant ist. (§ 1 Abs. 21 StrlSchV)

Um diese Aufgabe immer zu erfüllen, wird vom Strahlenschutzverantwortlichen daher in der Regel ein Risikomanagementsystem einzuführen sein, das Risiken systematisch vor und während den Tätigkeiten beurteilt. Bei der Risikobeurteilung wird er auf die Unterstützung eines Medizinphysik-Experten zurückgreifen müssen, dessen Rolle und Aufgaben in den §§ 131,132 StrlSchV geregelt sind. Ein Medizinphysik-Experte ist demnach zur Beratung hinzuzuziehen, wenn es zur Optimierung des Strahlenschutzes und zur Gewährleistung der erforderlichen Qualität geboten ist. Zu seinen Aufgaben zählen insbesondere die Durchführung von Risikoanalysen („vermeiden“), die Überwachung der Exposition von Personen („erkennen“) und die Untersuchung von Vorkommnissen („Auswirkungen geringhalten“).

 

Was sind bedeutsame Vorkommnisse?

Vorkommnisse im medizinischen Strahlenschutz sind hier „sonstige Vorkommnisse“. Eine Meldepflicht an die zuständige Behörde besteht nur dann, wenn diese Vorkommnisse bedeutsam sind. Wann ein Vorkommnis bedeutsam ist, ist in der Anlage 14 der Strahlenschutzverordnung geregelt. Dort sind die Kriterien für die Bedeutsamkeit eines Vorkommnisses bei medizinischer Exposition und bei Exposition der untersuchten Person bei einer nichtmedizinischen Anwendung aufgelistet. Wir haben Ihnen die Anlage 14 am Ende dieses Dokuments angefügt. Die aktuellen Referenzwerte finden Sie in unserer Linkliste. So ist ein bedeutsames Vorkommnis, wenn bei einer Person der diagnostische Referenzwert um 200 Prozent überschritten wird und wenn der Mittelwert bei den letzten 20 aufeinanderfolgenden Untersuchungen den diagnostischen Referenzwert um mehr als 100 Prozent überschritten hat.

Beispiel: Liegt der Referenzwert bei 100 und ist bei einem Patienten die Exposition von mehr als 300 festgestellt worden, dann ist das Ereignis als besonderes Vorkommnis zu melden, wenn bei 20 gleichartigen, aufeinanderfolgenden Untersuchungen der Mittelwert der Expositionswerte über 200 liegt.

 

Wofür ein Dosismanagementsystem?

Um in Zukunft Abweichungen bei einer Gruppe von Personen von den Referenzwerten festzuhalten und zu bewerten, ist ein entsprechendes System einzurichten. In der Praxis werden dies überwiegend Dosismanagementsysteme sein, die automatisiert Informationen der Modalitäten erhalten und diese mit Referenzwerten abgleichen und auswerten können.

Ein Dosismanagementsystem kann den zuständigen Radiologen bei einer Überschreitung sofort per E-Mail informieren und auch bereits die Annäherung an einen Referenzwert melden. Mit manchen Systemen ist es auch möglich direkt an den Modalitäten den Dosisverlauf der letzten Untersuchungen auf einem Monitor anzuzeigen. Das System unterstützt dabei auch die Tätigkeit von beratend tätigen Medizinphysik-Experten, da es einen einfachen und strukturierten Zugriff auf die erhobenen Daten erlaubt. Der Eintritt eines sonstigen bedeutsamen Vorkommnisses ist durch den Strahlenschutzbeauftragen unverzüglich der zuständigen Behörde zu melden. 

Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Whitepaper „Melde- und Informationspflichten nach dem neuen Strahlenschutzgesetz. Was Radiologen jetzt beachten sollten.“ >>

 

Foto: ©photodune.net / SimpleFoto

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.