- Von Doreen Witt
DigitalRadar 2026: IT-Infrastruktur wächst, Telehealth mit Potenzial
Plus 65 Prozent: Diese Zahl zeigt, wie viel sich die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern bewegt hat. Der DigitalRadar-Score deutscher Krankenhäuser ist laut den ersten Ergebnissen der neuesten und dritten Erhebung 2026 auf 55 von maximal 100 Punkten gestiegen. Ein Plus von rund 65 Prozent seit der ersten Erhebung 2021. Doch während die grundlegende IT-Infrastruktur mittlerweile steht, offenbart die Erhebung auch noch Verbesserungspotenziale: Telehealth schneidet im Vergleich zu den anderen erhobenen Dimensionen am schwächsten ab. Erfahren Sie, warum diese Entwicklung logisch ist und was Krankenhäuser jetzt tun können.
Was ist der Digitalradar?
Um den Digitalisierungsfortschritt deutscher Kliniken über die Zeit dokumentierbar zu machen, hat ein Experten-Konsortium aus Wissenschaft, Forschung und Beratung den DigitalRadar Krankenhaus entwickelt – eine Längsschnittmessung, die seit 2021 bereits dreimal durchgeführt wurde (2021, 2024, 2026). Kern ist unter anderem ein standardisierter Online-Fragebogen für Kliniken. Er hilft, den Stand ihrer Digitalisierung zu bewerten.
Details verrät der DigitalRadar-Score (DR-Score). Seine Skala reicht von 0 für „nicht digitalisiert“ bis 100 für „voll digitalisiert“. Das Experten-Konsortium bewertet dabei verschiedene Aspekte wie
- Wird die elektronische Patientenakte (ePA) bereits genutzt?
- Sind medizinische Geräte miteinander vernetzt?
- Inwieweit ist Telemedizin in einer Klinik implementiert?
Warum ist der DigitalRadar so wichtig?
Der DigitalRadar ist einerseits ein bedeutendes politisches Steuerungsinstrument: Das Bundesministerium für Gesundheit nutzt die Ergebnisse, um die Wirkung der im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetz – kurz KHZG – investierten Mittel zu bewerten. Andererseits ist der DigitalRadar aber auch ein zentrales Messinstrument, um zu erkennen, wo weiterhin Handlungsbedarf bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen besteht. Indirekt erlaubt es der DigitalRadar zudem Vergleiche mit der Digitalisierung anderer Länder zu ziehen.
Für die dritte Erhebung 2026 haben 1.531 Krankenhäuser in Deutschland den Fragebogen ausgefüllt. Rund 93,7 Prozent der Kliniken, die bereits 2021 teilgenommen hatten, waren erneut dabei – eine für Längsschnittvergleiche ungewöhnlich stabile und damit aussagekräftige Datenbasis.
DigitalRadar 2026: IT-Infrastruktur ist da – Nutzung und Telehealth hinken hinterher
Die Pressemitteilung zur dritte Erhebung 2026 liest sich klar positiv: Der durchschnittliche digitale Reifegrad deutscher Krankenhäuser ist von 33,3 Punkten (2021) über 42,4 Punkte (2024) auf inzwischen 55 von 100 möglichen Punkten gestiegen – ein Plus von 21,7 Punkten bzw. rund 65 Prozent seit 2021, davon allein 12,6 Punkte bzw. 29,7 Prozent seit der zweiten Erhebung 2024.
Ein Detail aus der Auswertung ist besonders aufschlussreich: Laut Konsortium sind die organisatorischen und infrastrukturellen Voraussetzungen für die Digitalisierung in den Krankenhäusern inzwischen deutlich stärker ausgeprägt als zu Beginn der Erhebung – bei der breiten Nutzung digitaler Anwendungen und ihrer Integration in den klinischen Alltag bestehen dagegen noch Herausforderungen. Übersetzt heißt das: Viele Häuser haben investiert und die technologische Basis geschaffen – jedoch werden die Systeme im Alltag noch nicht durchgängig genutzt und einzelne Prozesse greifen noch nicht nahtlos ineinander. Besonders deutlich zeigt sich das bei Telehealth: Laut bereits öffentlichen Auswertungsgrafiken des Konsortiums ist Telehealth die am schwächsten ausgeprägte der sieben DigitalRadar-Dimensionen – hier haben die Kliniken bislang am wenigsten investiert. Nachvollziehbar ist das trotzdem: Telemedizinische Netzwerke, Telekonsile oder Teleradiologie brauchen als Basis genau die IT-Infrastruktur, die jetzt erst entstanden ist. Der nächste logische Schritt ist, diese Basis auch für die einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit zu nutzen.

Auffällig dabei ist außerdem: Anders als noch 2024 zeichnet sich diesmal keine wachsende, sondern eine schrumpfende digitale Kluft zwischen den Versorgungsstufen ab. Größe war 2024 noch klar entscheidend für den Digitalisierungsgrad: Maximalversorger erreichten in der zweiten Erhebung im Durchschnitt 51,9 Punkte, Grundversorger im Mittel nur 38,3 Punkte. Das Konsortium berichtet, dass die Digitalisierung über alle Versorgungsstufen hinweg vorangeschritten ist – und dass insbesondere kleinere Krankenhäuser ihren Rückstand gegenüber größeren Einrichtungen verringern konnten. Den stärksten relativen Zuwachs erzielen die Grundversorger mit einem Plus von 68,1 Prozent. Blickt man auf die durchschnittliche Entwicklung über alle Versorgungsstufen hinweg, liegt diese bei rund 60% Plus. Auch im Ländervergleich zeigt sich eine flächendeckend positive Entwicklung: Alle 16 Bundesländer verbesserten sich gegenüber der vorherigen Erhebung.
Die dritte Erhebung deutet darauf hin, dass sich diese strukturellen Unterschiede allmählich verringern und Deutschlands Krankenhäuser digital voranschreiten. Tiefere Einblicke werden sich erst im Abschlussbericht zur dritten Erhebung Ende 2026 zeigen.
Neu in der dritten Erhebung: Erste Zahlen zu KI im Klinikalltag
Erstmals hat das Konsortium in einer Sonderbefragung auch den Stand der KI-Nutzung erhoben. Das Ergebnis: 60,4 Prozent der Krankenhäuser (923 Häuser) setzen bereits KI-Anwendungen ein, weitere 22,6 Prozent planen den Einsatz. Am weitesten verbreitet ist KI in der Sprach- und Textverarbeitung (68,3 Prozent), gefolgt von Entscheidungsunterstützung (52,2 Prozent) und Diagnostik (49,2 Prozent). Bei den Schulungsangeboten zeigt sich allerdings noch Luft nach oben: Nur 59,5 Prozent der Häuser bieten ihren Mitarbeitenden aktuell KI-Schulungen an.
Mehr zum praktischen Einsatz von KI in der Bildbefundung lesen Sie in unserem Beitrag KI in der Diagnostik: Drei Beispiele aus der Radiologie.
„Dass die Digitalisierung in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat, zeigt die dritte DigitalRadar-Erhebung eindrucksvoll. Beim Blick auf die einzelnen Dimensionen fällt aber etwas auf: Telehealth hinkt noch hinterher. Das ist nachvollziehbar, denn telemedizinische Vernetzung setzt voraus, dass die technische Basis im eigenen Haus bereits steht – und die haben viele Kliniken gerade erst geschaffen. Der nächste Schritt ist, diese Basis auch einrichtungsübergreifend nutzbar zu machen. Mit einfachen, Managed-Cloud-Lösungen nehmen wir Kliniken genau diese Aufgabe ab, ohne dass sie dafür eine eigene komplexe Schnittstellenlandschaft aufbauen müssen.“
Tobias Anger | Chief Executive Officer (CEO) | Telepaxx Medical Data GmbH
Trotz starken Verbesserungen: Warum Telehealth aufholen muss
Dass Telehealth die schwächste DigitalRadar-Dimension ist, überrascht wenig – und ist zugleich naheliegend erklärbar: Telemedizinische Anwendungen wie Telekonsile, Teleradiologie oder standortübergreifende Zweitmeinungsverfahren setzen voraus, dass die technische Basis steht. Genau diese Basis – Strukturen, Systeme, Informationsaustausch – haben Krankenhäuser laut dritter Erhebung in den letzten Jahren priorisiert aufgebaut. Der logische nächste Schritt ist, diese Basis jetzt auch für die einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit zu nutzen.
Zwei Gründe, warum das in der Praxis oft noch am Anfang steht:
- Knappe IT-Ressourcen und Kapazitätsgrenzen: Telemedizinische Netzwerke bedeuten zusätzlichen Integrations- und Betreuungsaufwand – gerade für IT-Abteilungen, die ohnehin an Kapazitätsgrenzen arbeiten und primär mit dem laufenden Betrieb ausgelastet sind.
- Fehlende Interoperabilität zwischen Einrichtungen: Anders als bei der internen Digitalisierung reicht es bei Telehealth nicht, die eigene IT-Landschaft zu modernisieren – Systeme müssen auch mit denen anderer Kliniken, Zuweisern oder Praxen zusammenarbeiten und sich entsprechend geltender Standards anpassen. Das erhöht die Komplexität zusätzlich.
Eine mögliche Unterstützung zum Aufbau telemedizinischer Netzwerkstrukturen und Systeme können Krankenhäuser jeder Versorgungsstufe im KHVVG-Transformationsfonds erhalten. Welche Fördermöglichkeiten Sie nutzen können lesen Sie hier: KHVVG-Förderung: Die richtige Cloud-PACS-Strategie für jede Klinikgröße.
Lösung: Telehealth aus der Cloud – mehr Vernetzung mit wenig Aufwand
Der schnelle Weg zu mehr Telehealth führt nicht über ein weiteres komplexes IT-Projekt, sondern über Managed IT Services aus der Cloud. Technologien wie die TMD Cloud schaffen genau die einrichtungsübergreifende Anbindung, die telemedizinische Netzwerke, Telekonsile oder standortübergreifende Zweitmeinungsverfahren brauchen:
- Entlastung des IT-Teams: Die Verantwortung für Lösungsentwicklung, Wartung und Update-Management der IT-Infrastruktur liegt beim Cloud-Anbieter. Ihr Team wird entlastet und kann sich auf die Anbindung neuer Partnereinrichtungen und Telehealth-Anwendungsfälle konzentrieren, statt Basis-Infrastruktur zu pflegen.
- Schnelle Integration – auch über Einrichtungsgrenzen hinweg: Cloud-Lösungen sind in der Regel so konzipiert, dass sie schnell und unkompliziert in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden können. Im Falle der TMD Cloud vereinfacht insbesondere der herstellerneutrale Ansatz eine Anbindung an Bestandssysteme wie RIS/KIS oder PACS.
- Hohe Sicherheitsstandards: Moderne Cloud-Lösungen, wie die TMD Cloud, erfüllen höchste Sicherheitsanforderungen, was durch ein C5-Testat des BSI bestätigt wird. Eine Zertifizierung nach ISO 27001 bestätigt zudem, dass der gewählte Anbieter höchste Anforderungen an die Informationssicherheit anlegt. Das gibt Ihnen die Gewissheit, dass Ihre Patientendaten stets geschützt sind.
- Flexible Skalierbarkeit: Durch die webbasierte Kommunikation und das technische Konzept von Cloud-Software, kann diese flexibel ergänzt und erweitert werden, beispielsweise, wenn mehr Daten in der Cloud archiviert werden sollen oder ergänzende Funktionalitäten zur Digitalisierung weiterer Workflows gewünscht sind.
Noch unsicher, ob die Cloud für Ihr Krankenhaus die Lösung sein könnte?
Hier erklären wir Ihnen 10 Gründe für den Einstieg in die Medizin-Cloud.
Ein praktisches Beispiel: Die Digitalisierung der Bildübermittlung an Patienten und nachgelagerte Gesundheitseinrichtungen wie Rehaklinken oder ambulante Zentren. DICOM-Daten können direkt aus der Cloud heraus via QR-Code oder Weblink im Rahmen des Entlassmanagements übergeben werden – ohne zeitaufwändiges Brennen von Patienten-CDs, von jeder Workstation mit Internetzugang und ohne langwieriges IT-Projekt.
Fazit: Die Cloud hilft, den DigitalRadar-Score zu verbessern
Die dritte DigitalRadar-Erhebung macht deutlich: Die technologische Basis in den deutschen Krankenhäusern für die weitere Digitalisierung wurde großteils geschaffen. Das Fundament ist gelegt, und selbst kleinere Häuser haben den Anschluss gefunden. Gleichzeitig zeigt die Erhebung auch den nächsten, wichtigen Entwicklungsschritt auf: Das neu geschaffene Fundament muss nun in reibungslose, digitale Workflows integriert werden, um einrichtungsintern wie einrichtungsübergreifend die Patientenversorgung weiter zu verbessern. Vor allem im Bereich Telehealth ist noch Luft nach oben.
Um diese Lücke zügig zu schließen, ohne die knappen IT-Ressourcen zu überlasten, bieten sich intelligente Managed IT-Services aus der Cloud an, wie die TMD Cloud. Damit entfallen komplexe, lokale Schnittstellenprojekte. Stattdessen verbinden sich Kliniken, radiologische Praxen und Zuweiser-Netzwerke sicher, skalierbar und einfach. Der Grund: Anstelle aufwendiger Punkt-zu-Punkt-Verbindungen reicht eine einmalige Anbindung per Standardschnittstelle an die Cloud-Plattform, die den gesamten herstellerneutralen Datenaustausch übernimmt.
So können sie die Anforderungen an Digitalisierungsprojekte effizient umsetzen und ihren DigitalRadar-Score kontinuierlich verbessern.
Denn spätestens mit dem Abschlussbericht zur dritten Erhebung Ende 2026, der tiefere Auswertungen nach Versorgungsstufe und Dimension liefern soll, wird entscheidend sein: Wer hat die bisherigen Erkenntnisse in konkrete Handlungen übersetzt?
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